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Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Saulheim
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Der Bau der neuen Kirche

Historischer Teil
Seit 1840 wegen Überlegungen wegen des Neubaus einer evangelischen Kirche im Gange. Die alte, einst reformierte Kirche, musste seit der Union von 1822 einer um ein Vielfaches größeren Gemeinde Platz bieten. Jedoch dauerte es noch bis 1872 bis der Kirchenvorstand am 22. Dezember aufgrund der Anregung durch den Pfarrvikar Kölsch zusammentrat, um über den Bau zu beraten. Die sich anschließenden Verhandlungen waren jedoch schon am 10. Dezember 1873 beendet, weil „die Ortsgemeinde  auf dem alten Kirchhof als Bauplatz beharrte, womit der Vorsitzende des Kirchenvorstandes und alle vorgesetzten Behörden nicht übereinstimmen konnten“.
Die Ablehnung erfolgte wegen der Nähe der geplanten katholischen Kirche, die auf der östlichen Hälfte des alten Kirchhofes im Jahr 1873 fertig gestellt wurde. Man befürchtete gegenseitige Störungen.
Im Jahr 1878 kam Pfarrer Friedrich Wilhelm Werner nach Udenheim, von wo aus er die Kirchengemeinden Ober- und Nieder-Saulheim mitversehen musste. Dank seiner Initiative ging die Planung der Kirche endgültig weiter. Da die alte Kirche immer größere Risse zeigte und seit Jahren immer mehr Geld durch Reparaturen verschlang, empfahl Pfarrer Werner dem Kirchenvorstand, einen Kirchenbaufonds zu gründen und die durch die vakante Pfarrstelle nicht benötigte Pfarrbesoldung hierzu zu verwenden. Nach einer Petition an die Kirchenleitung wurden 1.000 Reichsmark jährlich bei gleicher Leistung der Gemeinde gebilligt. „Wegen der schlechten Zeiten konnte die Gemeinde aber nur 500 RM zahlen.“
Schließlich einigte man sich aber 1880 darauf, dass der Kirchenbaufonds ab 1880 jährlich 1.400 RM aus der Pfarrbesoldung erhielt und die Gemeinde das gleiche dazu gab. Pfarrer Werner musste wohl ein Diplomat von großer Überzeugungskraft gewesen sein, sonst wäre es ihm nicht gelungen, die Gemeindevertretung nach ihrem anfänglichen Zögern zu einem so hohen Betrag zu bewegen.
Derr Gemeinderat billigte die 1.400 RM jedoch nur unter der Bedingung, dass die Kirche auf dem Kirchhofplatz gebaut werden sollte.
Bis zum Sommer 1880 war dann folgende Summe zusammen gekommen.
1.Der aus dem Jahr 1879 übrige Teil der Pfarrbesoldung
900 RM
2.Die Gemeinde gibt für das Jahr 1880
500 RM
3.5 Jahre 1.400 RM aus der Pfarrbesoldung, zusammen
7.000 RM
4.Die Gemeinde gibt 5 Jahre das Gleiche
7.000 RM
5.Von der russischen Kaiserin (durch Werners Bemühen)
300 RM
6.Von der deutschen Kaiserin (durch Werners Bemühen)
100 RM
7.
Von einem ortsansässigen Wirt
20 RM

zusammen
16.820 RM
Nach fünf Jahren, so lautete die Bedingung der Kirchenleitung, musste gebaut werden. Bis dahin wollte man das Kapital von 20.000 RM zusammen gebracht haben. Dazu sollte ein Kredit über 40.000 RM kommen, der bei einer jährlichen Belastung der Gemeinde 1.800 RM in 67 Jahren amortisiert sein sollte. Die Bauplatzfragewurde vertagt, bis das Kapital vorhanden sei. Da die alte Kirche immer baufälliger wurde, zeigte sich, wie dringend der baldige Beginn des Neubaus war. Die Chronik berichtet:
„Die Wand bekommt immer größere Risse, das Türmchen ist schon lange geborsten, die Decke faul, der Glockenstuhl mürb.“ Weiter heißt es „1. Advent 1881; bei heftigem Sturm schwankt – zum Schrecken der Besucher – das Glockenhaus. Aus dem schwankenden Glockenstuhl wird die größte Kirchenglocke genommen und neben die Simultanglocke im Rathaus gehängt. Hier wird nun zur Kirche geläutet. Die andere Glocke dient noch zum Vaterunser-Läuten.“
So beschloss der Kirchenvorstand, einen Bauplan für die künftige Kirche anfertigen zu lassen. Damit beauftragt wurde der Erbauer der Wallertheimer Kirche, Dr. Hesse aus Offenbach/Main, dessen Voranschlag sich auf 75.000 Mk belief. Dieser Plan wurde jedoch verworfen. Bei der am 17. Juli 1881 statt findenden Kirchenvisitation, die nur den Kirchenbau zum Thema hatte, konnte sich der Gemeinderat gegenüber dem Kreisrat, der Gottesdienststörungen befürchtete, bei der Wahl des Bauplatzes schließlich durchsetzen.
Eine Eingabe der katholischen Gemeinde beim Kreisamt Oppenheim wurde abgelehnt. Durch die Baupläne wurde die Baubehörde auf den schlechten Zustand der alten Kirche aufmerksam und ließ diese untersuchen. Darauf hin wurde an Pfingsten 1882 die Kirche geschlossen. Gottesdienst wurde künftig im Saal des Rathauses gehalten. Die Kirchbaugegner wiesen Pfarrer Werner die Schuld an der Schließung der Kirche zu. So musste der Kirchenvorstand einer Reparatur noch einmal zustimmen, zumal aus finanziellen Gründen vor 1885 nicht gebaut werden konnte. Die für 200 Mk notdürftig hergerichtete Kirche wurde ab Herbst 1882 wieder benutzt. Bei der Bürgermeisterwahl 1884, die wegen Ungültigkeit sogar wiederholt werden musste, hatte sich die zivile Gemeinde in zwei Lager gespalten. Die Kandidaten Koch und Brückner, die beide auch Kirchengemeindevertreter waren, hatten sich gegen den Kirchbau ausgesprochen. Pfarrer Werner befürchtete, dass durch das Hineinziehen der Kirchbauangelegenheit in die Wahl de Bau doch nicht zu Stande käme. Ende 1884 kam aber auch eine Erinnerung des Großherzoglichen Oberkonsistoriums, dass, wenn man 1885 nicht, wie vereinbart, mit dem Bau beginne, die seit 1879 aus der Vakanzkasse gezahlten Gelder zurück gezahlt werden müssten. Eile war also geboten. Eine auf Initiative von Pfarrer Werner gebildete Kommission, der auch Wortführer der Kirchenbaubefürworter und -gegner angehörten, informierte sich über den Kirchbau in Ober-Hilbersheim, dessen Bauleiter, Architekt Schwartze aus Oppenheim, mit Professor Schmidt aus München zusammen arbeitete. Diese beiden hatten einen Voranschlag in Höhe von 75.000 Mk eingereicht. Trotz seiner Bemühungen, die gegnerischen Parteien an einen Tisch zu bringen, wurde Pfarrer Werner als „Aufwiegler“ angeklagt und seine „sofortige Entfernung“ verlangt, wobei für den Fall, dass Werner bliebe mit 100 Kirchenaustritten gedroht wurde. Die Sache verfehlte jedoch ihre Wirkung, der Dekan muss ärgerlich geworden sein. Am 23 Dezember 1884 fand dann eine Gemeindeversammlung statt, in der über die Genehmigung des Kirchbaus beraten und auch das künftige Aussehen der Kirche erstmals vorgestellt wurde. Anfang 1885 beschlossen Kirchenvorstand und Gemeindevertretung den Kirchenneubau, wenn auch nur mit wenigen Stimmen Mehrheit. Am 6. Januar fand auch die entsprechende Gemeinderatssitzung statt. Neben der Baugenehmigung sollte die zivile Gemeinde auch die Garantie für den aufzunehmenden Kredit leisten. Es drohte Stimmengleichheit und das ganze Projekt schien och einmal gefährdet. Da jedoch ein katholisches Gemeinderatsmitglied für den Bau stimmte, wurde der Bau und die Garantieleistung mit einer Stimme Mehrheit genehmigt.
So konnte man endlich mit dem eigentlichen Bau beginnen: Bauleitung und -führung wurden Professor Heinrich Schmidt, Professor an der königlichen Hochschule in München, übertragen, der zu der Zeit die Katharinenkirche in Oppenheim restaurierte und dem es gelang, nach 200 Jahren deren Ostchor mit einem Deckengewölbe zu versehen. Schmidt baute auch die 1885 fertiggestellte Kirche in Flonheim.
Bereits im Februar wurden die hindernden Bäume auf dem Kirchplatz entfernt und versteigert. Ab März wurden Steine aus dem Flonheimer Steinbruch per Bahn geleifert. „Schicht- und Mauersteine, sehr schönes Material. Die Steine wurden von der Station freiwillig gefahren. Wer kein Fuhrwerk besaß, leistete Handdienste oder ließ Steine fahren.“
Die Eintracht war wohl wiederhergestellt, auch Katholiken und Juden beteiligten sich. Nur einige wenige, deren Namen überliefert sind, schlossen sich aus.
Noch einmal machten die Kirchenbaugegner Schwierigkeiten, als es darum ging, welche Gesangvereine bei der Grundsteinlegung mitwirken sollten. Am Ende beteiligte sich nur der während der Kirchbaustreitigkeiten 1884 neu gegründete Kirchengesangverein (heute Liederkranz). Die beiden älteren Gesangvereine sagten ihre Mitwirkung ab. Bei der Feier am 3. Juni 1885 predigte Pfarrer Werner über die Bedeutung des Grundsteines, die anwesende Kirchenleitung schloss sich mit ihren Reden über das gleiche Thema an. Weiter wirkte auch der Schülerchor unter der Leitung von Lehrer Jung und de gemischte Chor des Kirchengesangvereins mit.
Johann Oehler schreibt in seinem Tagebuch:
„1885: Im April wurde die neue evangelische Kirche hier in Angriff genommen. Am 3. Juni wurde der Grundstein gelegt, derselbe ist an die Ecke rechts vor dem südlichen kleinen Eingang inwendig ungefähr einen Meter vom Boden eingemauert. Er enthält Münzen, Wein, Tagesblätter und die Urkunde. Die Urkunde besagt, dass die Kirche unter der Regierung und im 9. Jahre Ludwig IV. Großherzog von Hessen, und im 15. Jahre der Wiedererrichtung des neuen deutschen Kaiserthrones unter Wilhelm I., dem Siegreichen, zur Zeit, da Fürst Otto von Bismarck Schönhausen Reichskanzler war, erbaut wurde. Die Geistlichkeit war vertreten durch den Superintendenten Dr. Köhler, Dekan Dr. Walter und Pfarrer Werner von hier. Der Baumeister ist Professor Heinrich Schmidt aus München, Erbauer der Katharinenkirche zu Oppenheim. Der Gehilfe derselben Architekt Schwartze, der Bauübernehmer Franz Becker aus Ludwigshöhe , der Bürgermeister Gabriel Brückner II., der Kirchenvorstand: Johann Schneider, Anton Ackermann, Georg Haas, Nikolaus Weinzheimer, Nikolaus Schlamp, Lorenz Brückner I. und Heinrich Weyerhäuser.“
Nach einem kurzen historischen Abriss steht am Schluss der Urkunde „Mit Dank gegen Gott, der uns bisher gnädig geholfen, und alla die, welche zur Förderung des Baus mithalfen, legen wir diese Urkunde in dem Grundstein nieder. Möge dieser Stein viele Jahrhunderte liegen, uneröffnet und unentweiht, und Gottes reicher Segen auf dem Tempel ruhen, der über ihm errichtet wurde, dass er immer unerschüttert stehe als eine Pfanzstätte der Gottesfurcht und der Sittlichkeit, des Glaubens, der Liebe, des Friedens und der Hoffnung und in den Stürmen der Zeit verkünden: Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“
Danach ging der Bau dann schnell voran, bis Herbst 1885 stand der Rohbau. Nur das Mauerwerk des Turms wurde in diesem Jahr nicht mehr vollständig fertiggestellt. Februar 1886 wurden die neuen Glocken gegossen und im Juli unter dem Geläut der alten Glocken von der Bahn abgeholt.
Mittlerweile waren auch noch viele Spenden zur Ausstattung de Kirche eingegangen. So wurden die -kanzel, der Altar, Abendmahlsgeräte, Antependien und die Chorfenster, Querschiff-Fenster und zwei Langhausfenster und vieles andere mehr gestiftet. Insgesamt war noch einmal eine Summe von 4.231 Mk eingegangen. Der Oppenheimer Kirchenvorstand schenkte die alte Uhr der Katharinenkirche.
Nachdem die Einweihung auf Kerb stattfinden sollte, musste sie mitsamt dem Kirchweihfest doch noch verschoben werden. Schließlich läuteten am Sonntag, dem 3. Oktober 1886 nach dem Abschiedsgottesdienst in der alten Kirche gegen 5 Uhr nachmittags die alten Glocken ein letztes Mal. (Diese wurden zusammen mit der gesprungenen größeren Simultanglocke anschließend verkauft. Erlös letzterer an die katholische und evangelische Kirchenkasse verteilt.)
Im Anschluss daran ließ die neue, große Martinsglocke drei Zeichen ertönen, worauf die beiden anderen „zu einem mächtigen Akkord einfielen“, um das am darauf folgenden Tag stattfindende Fest einzuläuten.
Oehler schreibt in sein Tagebuch:
„1886: Am Montag, dem 4. Oktober wurde die neue evangelische Kirche eingeweiht. Der Zudrang von Fremden war ein gewaltiger. Die Übergabe es Schlüssels erfolgte von Seiten eines Kindes an den Baumeister Professor von Schmidt aus München, von diesem an den Bürgermeister, von diesem an den Kreisrat und von diesem an den Dekan. An dem Zug beteiligten sich die drei Gesangvereine und der Kriegerverein. Während der Feier wurde ein Kind, Gabriel Oehler, getauft und die ältesten Männer und Frauen der evangelischen Gemeinde empfingen das Hl. Abendmahl. Unter den Abendmahlsgästen befand sich als Ältester unser beinahe 92jähriger Großvater Philipp Oehler. Von dem Dekan wurde besonders hervorgehoben, es sei gewiss eine seltenes Familienereignis, wenn das älteste Glied einer Familie zuerst das Abendmahl in der neuen Kirche empfange und das Jüngste getauft werde. Die Feier verlief in erhebender Weise.“
Damit war nun der Bau vollendet. Das Gebäude seiner Bestimmung übergeben: Bei Ausgaben in Höhe von 87.078.57 Mark und Einnahmen von 87.430,52 Mark war in der Kirchenkasse sogar ein Restguthaben von 351,95 Mark verblieben, wobei man die Orgel entgegen früheren Plänen in die neue Kirche übernommen hatte.
Der Gottesdienstbesuch nahm, wie man sich vorstellen kann, in der Folgezeit enorm zu, und groß war wohl auch die Freude über die neue Kirche. Trotzdem waren die alten Streitigkeiten über ihren Bau noch nicht vergessen. Pfarrer Werner, der seinen Sitz in Udenheim hatte, bewarb sich nun um die vakante Pfarrstelle in Nieder-Saulheim, zu der er durch den Bau ein besonderes Verhältnis bekommen hatte.
Doch die alten Kirchenbaugegner lehnten ihn ab und um den Frieden in der Gemeinde nicht zu gefährden, wurde Pfarrer Werner seitens der Kirchenleitung nicht als Pfarrer vorgeschlagen, während seine Freunde sich sehr für ihn einsetzten. So kam es, dass Pfarrer Werner nur ein halbes Jahr in „seiner“ Kirche wirken konnte und eine Woche nach Ostern, als er den ersten Jahrgang in der neuen Kirche konfirmiert hatte, seine Abschiedspredigt hielt. Nachdem dieser, auf Bildern zwar sehr klein wirkende, aber in seinen Bemühungen doch sehr viel Kraft und Durchsetzungsvermögen entwickelnde Mann nach Lindheim gegangen war, folgte ihm Pfarrer Glück nach Nieder-Saulheim.
Im hessischen Kirchenblatt vom 18. Dezember 1927 erschein ein Nachruf über den verstorbenen Kirchenrat Friedrich Wilhelm Werner aus Nidda:
„… Wie verstand er aber auch zu vermitteln! Beim Kirchbau in Nieder-Saulheim, der viel Humor mit sich brachte, entstand ein Streit über die Turmhähne der beiden nebeneinander stehenden Kirchen, die in entgegengesetzte Richtung schauten. Als in der Presse der Streit eine Weile gewährt hatte, entschloss sich Werner, der Sache durch sein Eingreifen ein Ende zu machen. Er schrieb, es sei doch ganz natürlich, dass die Richtung der beiden Hähne verschieden sei, der eine schaue  nach Rom, der andere nach Wittenberg. Damit war die Sache beigelegt.“
In den folgenden Jahren wurden noch einige ergänzende Änderungen in der Nieder-Saulheimer Kirche vorgenommen. Silvester 1895 wurde die neue Kirchenbeleuchtung, bestehend aus zwei Leuchtern und neuen Wandleuchtern, eingeweiht. 1903 wurde eine weitere Leuchte von Friedrich Weyerhäuser/USA und dem Kirchengesangverein gestiftet. 1902 schon schenkte der in Nieder-Saulheim geborene Wiesbadener Wilhelm Hardt der evangelischen Kirche eine Glocke, die am 1. Weihnachtstag zum ersten Mal zu hören war. Sie hatte einen Durchmesser von 70 cm und ein Gewicht von 210 Kilo. Sie trug die Aufschrift „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Diese Glocke musste im 1. Weltkrieg am Jahre 1917 zusammen mit den Orgelprospektpfeifen im Rahmen der „Kriegsbedarfsicherung“ abgegeben werde.
1930 wurde eine, von den evangelischen Frauen gespendete Totengedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges im Altarraum aufgehängt und am Totensonntag eingeweiht.
1931 wurde eine elektrische Läute-Anlage eingebaut; das gewählte Fabrikat erwies sich jedoch als sehr unzuverlässig.
1935 wurden die bis dahin mit Petroleum betriebenen Leuchter elektrifiziert und so erhellte am Heiligen Abend zum ersten Mal elektrisches Licht die Kirche.
Im 2. Weltkrieg wurden 1940 die drei verbliebenen Glocken beschlagnahmt, konnten zunächst aber im Turm bleiben. Schließlich mussten im April 1942 dann die zwei größten Glocken (Martinsglocke und Friedrichsglocke) abgegeben werden, obwohl man versuchte das schöne Geläut, welches mit den katholischen Glocken zusammen eines der vier in ganz Hessen berühmten Sextette gebildet hatte, zu retten. Nach dem Krieg begann man schon 1947 sich nach Ersatz umzusehen. Das größte Problem war die Beschaffung von Bronze für den Guss, welches eine Legierung aus 80 % Kupfer und 20 % Zinn ist.
Die Beschaffung musste von der Kirchengemeinde selbst übernommen werden, da die Gießer über kein Metall verfügten. Nach anfänglichen Überlegungen, sich wieder drei Glocken anzuschaffen, einigte man sich doch auf vier. Nachdem man bereits 1948 Geld gesammelt hatte, verfiel ein Großteil des Kapitals bei der Währungsreform. Man musste erneut sammeln und durch die Schwierigkeiten, die man bei der Beschaffung geeigneter Bronze hatte, verzögerte sich die Sache weiter, wobei die Gießerei auch den geplanten Liefertermin, Ostern 1949, wegen der großen Auftragslage nicht einhalten konnte. Auf Anregung der katholischen Gemeinde, die auch drei Glocken beim gleichen Gießer, der Firma „Gebr. Rinker“ in Sinn, in Auftrag gegeben hatte, wurde das Geläut der beiden Kirchen aufeinander abgestimmt. Die vier Glocken der evangelischen Kirche klingen auf die Tön f‘-a‘-c‘‘-d‘‘, die der katholischen auf g‘-b‘-c‘‘. Damit befindet sich in der Gemeinde ein Geläut aus sieben Glocken, wie es einst auch in der Simultankirche bestanden haben soll. Am Erntedankfest 1948 fand dann schließlich die feierliche Glockenweihe statt.
Im Gegensatz zu den katholischen wurden die evangelischen Glocken in einer schwere Ausführung (schwere Rippe) gegossen. Die vom ursprünglichen Geläut aus dem Jahr 1886 verbliebene Philipps-Glocke wurde nach Udenheim verkauft. 1956 sammelte man zum zweiten Male für eine für eine Gedenktafel zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen Bürger. 1957 wurde die Tafel in der Eingangshalle der Kirche aufgestellt.
 
Quelle: „Wo wir uns Versammeln“ von 1986
 
hrsg. von Gerd Keim und Dieter Stadler
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