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Wo wir uns versammeln
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Wo wir uns versammeln
Kirche

Die in den Jahren 1885 - 1886 durch Heinrich von Schmidt aus München erbaute evangelische Kirche befindet sich zusammen mit der 1873 eingeweihten katholischen Kirche  und dem Rathaus am Schnittpunkt von und Treffpunkt von sechs Straßen. Beide Kirchen sind erbaut im neugotischen Stil, ihre Glocken aufeinander abgestimmt. Viele Kirchen stehen heute noch inmitten der rheinhessischen Dörfer. Sie ragen manchmal wie Überreste aus längst vergangenen Zeiten stolz über den alten und neuen Dächern hervor.

Die Tür

Nicht erst die Predigt und der Gottesdienst, schon das Kirchengebäude selbst mit seinen vielen Details ist wie ein Bilderbuch. Das gilt auch für den Eingang der Kirche. Zwölf Stufen führen hinauf zur Tür. Im Eingangsbereich findet sich rechts eine Bronzetafel mit den im 2. Weltkrieg Gefallenen und Vermissten, links hängen zwei Sterntafeln zur Erinnerung an die aus Saulheim stammenden Soldaten, die im 1. Weltkrieg ihr Leben gelassen haben. Diese Tafeln hingen früher im Chorraum der Kirche. Bei der Renovierung in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind sie an die heutige Stelle gekommen. Die drei Gedenktafeln im Eingangsbereich mahnen die Besucher an die schrecklichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts  und sind zugleich Aufforderung für uns Christen, den Frieden in der Welt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bewahren.

Das Gewölbe

Wer in die Kirche eintritt, dessen Blicke werden unwillkürlich nach oben gelenkt in die Höhe des Raumes. Bis auf den Chorraum ist das gesamte Gewölbe mit Holz verkleidet. Zum Teil ist das Holz mit den für Rheinhessen typischen Weinranken bemalt. Das Gewölbe wird von sechs Stahlsäulen getragen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das eine bevorzugte Bauweise. Diese Säulen geben dem Raum, der sonst Geborgenheit ausstrahlt, etwas Strenges. Aber diese Strenge

 

Die Fenster

Von Gottes Liebe zu den Menschen, von seinen guten Worten sollen wir unseren Kindern erzählen, so werden wir in der Bibel aufgefordert. Kinder hören gerne Geschichten. Und sie hören sie noch viel lieber, wenn sie begleitet sind von farbigen Bildern. Als die Nieder-Saulheimer Fenster entstanden sind, gab es die Medien Film und Fernsehen noch nicht. Die bunten Fenster im Chorraum und im Kirchenschiff dürften deshalb nicht nur die Herzen der Kinder damals erfreut haben. Auch erwachsene Christen mögen staunend vor den farbenprächtigen Fenstern gestanden haben, um die Botschaft der Bibel so besser verstehen und nachvollziehen zu können.

 

Die Bilder sind Verkündigung selbst. Besonders deutlich wird dies durch die drei im Chorraum befindlichen Fenster:  

Das linke Fenster enthält die alttestamentliche Geschichte von der Erschaffung des Menschen bis hin zur Gesetzgebung am Sinai

 

Die beiden großen Fenster in den Seitenschiffen der Kirche erinnern an die Zeit der Reformation, von der Nieder-Saulheim ja nicht unberührt geblieben ist. Gerade der häufige Wechsel der Konfession zwischen reformiertem und lutherischem Bekenntnis, der seinen Grund in der jeweiligen Obrigkeit hatte (cuius regio eius religio), legt ein beredtes Zeugnis davon ab, welchen Einfluss die Reformation auf das Dorf Nieder-Saulheim genommen hat.

Das rechte Fenster zeigt den Verfasser der Confessio Augustana, Philipp Melanchthon, das linke Martin Luther.

Die Kanzel

Die fünf auf Holz gezeichneten Bilder stellen die vier Evangelisten und Christus dar. Rechts von Christus die Evangelisten Lukas, Johannes und links von ihm Matthäus, Markus.

Christus ist sofort zu erkennen, auch für den, der nicht mit den einzelnen Symbolen vertraut ist, die über den Köpfen der Figuren angebracht sind. Er ist erkennbar an der Taube, Symbol des Heiligen Geistes, der bei Jesu Taufe auf ihn herabkam. Die Evangelisten sind an verschiedenen Symbolen zu erkennen:

Die Orgel

Am 16. Oktober 1860 konnte die von dem Mainzer Orgelbauer Heinrich Dreymann gebaute Orgel zum ersten Mal im Gottesdienst der alten reformierten Kirche, die sich in der Pfarrgasse befand, gespielt werden. Weil diese Kirche längst nicht die Ausmaße des 1886 erbauten heutigen Gotteshauses hatte, fiel die Orgel entsprechend klein aus. Aber da die Mittel für den Kirchenneubau im Jahre 1886 beschränkt waren und man mit der alten Orgel wohl noch zufrieden gewesen ist, wurde sie in die neue Kirche übernommen.

DBH

 wird aufgelockert durch die mit Blumen und Blattgold verzierten Kapitelle. Die ganze Struktur des Gewölbes kann man besonders klar erkennen, wenn man sich auf den Dachboden der Kirche begibt. Hier sieht man die gewaltigen Ausmaße des Gebäudes.

Das mittlere und rechte Fenster erzählen vom Bund Gottes mit seinen Menschen, von Jesus Christus.

Johannes der Täufer, Bußprediger; Jesu Geburt; Anbetung durch die Weisen aus dem Morgenland; Der zwölfjährige Jesus lehrt im

Das rechte Fenster zeigt Jesus vom Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit bis zur Auferstehung:

Jesu Taufe; Jesu Bergpredigt; Jesu Kreuzigung; Jesu Auferstehung

Matthäus: Mensch mit Flügeln (Engelsgestalt)

Markus: Löwe, weil im ersten Kapitel von Johannes dem Täufer in der Wüste die Rede ist. Das
Tier der Wüste aber ist der Löwe.

Lukas: Stier, weil im ersten Kapitel Lukas von Zacharias, der im Tempel den Gottesdienst hält, spricht. Damals wurden auch während der gottesdienstlichen Zeremonie Tiere geopfert.

Johannes: Adler, weil das erste Kapitel des Johannesevangeliums in den hohen Gefilden der Theologie und der Anbetung schwebt.